Fernsehen ist unwiderstehlich. Wie könnte man sonst erklären, dass Fernsehen für einen hohen Prozentsatz aller Jugendlichen die Freizeitbeschäftigung Nummer eins ist. Aber Fernsehen ist nicht nur eine verlockende Freizeitbeschäftigung - auch der Wirkung der bewegten, bunten Fernsehbilder kann man sich kaum entziehen. Ob Zeiteinteilung, Kleidung oder Sprachgewohnheiten - kaum etwas übt stärkeren Einfluss auf unser Privatleben aus als das Fernsehen. Das belegen wissenschaftliche Studien, das kann jeder an sich selbst beobachten. Merkwürdig, warum es bei den heutigen Fernseh-Inhalten und deren intensiven Wirkung keine nennenswerte Bewegung gegen "Innenweltverschmutzung" gibt.
Beim Fernsehen braucht man keine Initiative zu ergreifen, außer sein Gerät anzustellen. So fördert TV Passivität erst in der Freizeit, später auch im familiären, öffentlichen und privaten Leben. Statt etwas mit der Familie zu unternehmen, schaut man sich an, was die Fernsehfamilie unternimmt. Mit der Zeit verliert der Mensch seine Kreativität, weiß nichts mehr mit sich und seiner Zeit anzufangen und hat keinen Antrieb für Gemeindedienste oder Gespräche.
Die Welt des TV ist ja auch attraktiver und weniger anstrengend als die echte. Die meisten Helden der Fernsehfilme sind reich, schön und gesund. Für das tägliche Zusammenleben wichtige Eigenschaften wie Geduld, Verständnis, Bescheidenheit fallen kaum ins Gewicht.
Sex im Fernsehen. Dass so etwas Sünde vor Gott ist, weil es die Intimsphäre von Menschen zerstört, ehebrecherische Gedanken fördert und Sexualität pervertiert, muss nicht lange bewiesen werden. Neben Sex wird am Fernsehen am häufigsten die Gewalt kritisiert. Massenhaft konsumierte Gewalt hat tatsächlich Auswirkungen auf den Charakter. Eine immer größere Zahl von Gewaltverbrechen wird nach Fernsehvorbild ausgeführt: Überfälle und Morde genauso, wie fernsehgerecht inszenierte Schlägereien auf dem Schulhof. Um die Aufmerksamkeit gewaltgewöhnter Zuschauer zu halten, muss schon Besonderes geboten werden. Das bringt noch Nervenkitzel. Gewalt erscheint als legales Mittel, Rechte durchzusetzen und Konflikte zu lösen. Solch ein Umgang mit Gewalt ist von Nächstenliebe weit entfernt. Durch das ständige Sterben auf dem Bildschirm berühren uns mediengerecht inszenierte Bilder vom echten Krieg wenig. Fiktion und Realität verschmelzen und berühren abgehärtete Fernsehzuschauer kaum noch. Fernsehen macht Krieg und Leiden zur genießbaren Unterhaltung. Und das härtet ab. Wenn echtes Leid in ihrer unmittelbaren Umgebung geschieht, reagieren viele Menschen ebenfalls nur noch als Zuschauer. Wird auf der Straße jemand zusammengeschlagen oder fahren auf der Autobahn Menschen in den Tod, schaut der geübte Fernseher oft einfach nur zu. Leid passiert eben, wen es trifft, der hat Pech, helfen kann man all den Menschen ja doch nicht.
Geister und okkulte Phänomene gehören nicht erst seit "Akte X" zum normalen Fernsehprogramm. In Talk-Shows berichten Menschen über ihre Privatoffenbarungen, führen Rutengehen oder Tischrücken vor und werben für alle Arten von Okkultismus. Alles scheinbar ganz ungefährlich. Fernsehen verharmlost Okkultismus und bietet den Einstieg in die Esoterik.
Immer mehr Menschen drängen mit ihrem Privatleben gewaltsam in die Öffentlichkeit. Nur noch das scheint wertvoll, was medienwirksam vor großem Publikum inszeniert wird. Wenn die Menschen dann ihre Schwierigkeiten ausgebreitet haben und die Neugierde und Schadenfreude der Zuschauer gestillt sind, leiten ein betroffener Gesichtsausdruck des Moderators und ein paar billige Trostworte zur nächsten Enthüllung über. Talkshows werden zum Beichtstuhl und zur Psychiater-Couch. Menschen outen sich mit seltsamsten Eigenschaften und Vorlieben. Grenzen der Intimsphäre werden bewusst zerstört, Hemmungen aufgehoben. Statt in der Beichte vor Gott werden persönlichste Verfehlungen vor Millionen ausgebreitet, ohne Schuldbewusstsein und ohne die Möglichkeit von Vergebung.
Journalisten entscheiden entsprechend ihrer Überzeugung, was gesendet wird und was unter den Tisch fällt. Die Wirklichkeit wird notfalls auf das gewünschte Maß zurechtgeschnitten. Bei einer Schienenblockade sieht der Zuschauer die mit Gewalt weggetragenen Demonstranten, die zusammengeschlagenen Polizisten aber kommen nicht ins Bild. Bei einer anderen Demonstration zeigt das Fernsehbild eine fahnenschwingende Menge, niemand sieht jedoch, dass hinter den ersten fünf Reihen nichts mehr kommt. Von wegen Bilder lügen nicht.
Auch in Spielfilmen wird die Wirklichkeit nach eigenen Wünschen geformt. In den USA gibt es laut "Gebet für die Welt" etwa 30 Prozent evangelikale Christen. Wie viele dieser Christen tauchen in Hollywood-Filmen als Charaktere auf?
Zusammenhänge werden gnadenlos gekürzt, bis sie zwar nichts mehr mit dem echten Leben zu tun haben, aber dafür in drei Minuten fernsehgerecht präsentiert werden können. Dass zwischen Wirklichkeit und Fernseh-Realität ein Unterschied besteht, ist klar. Fatal ist, dass immer mehr Deutsche sich wöchentlich rund 21 Stunden lang durch dieses künstliche Weltbild prägen lassen.
Umgang prägt. Je mehr Zeit ich mit jemandem verbringe, desto stärker werde ich beeinflusst. Das merke ich nicht sofort, aber mit den Jahren übernehme ich Ausdrücke, Verhaltensweisen, Gedanken und Werte. Wenn das stimmt, sollte ich mir sorgfältig aussuchen, wodurch ich mich prägen lasse. Drei Stunden durchschnittlicher Fernsehkonsum pro Tag prägen Denken und Handeln. In einer Studie sollten Schüler in 15 Minuten so viele Werbesendungen wie möglich nennen. Einige brachten es auf 50, einschließlich 15 verschiedener Biersorten. Wie viele Werbespots kennst du? Und zum Vergleich: Wie viele Bibelverse kannst du zitieren? Gott hat uns in der Bibel eine Menge zu sagen. Auch hier gilt: Dauerhafte Gemeinschaft prägt das Leben. Wenn ich 20 Stunden in der Woche fernsehe, aber nur eine Stunde am Sonntagmorgen im Gottesdienst sitze, darf ich mich nicht wundern, wenn ich wenig mit Gott erlebe. Die Entscheidung für zwei Stunden Spielfilm ist möglicherweise eine Entscheidung gegen zwei Stunden Gemeinschaft mit Gott. Bloße Aktualität einer Berichterstattung sagt noch nichts über ihre Wichtigkeit für uns aus. Gott will uns helfen, mit Ihm selbst, mit Eltern, Freunden, Job, Schule, und dann auch mit der weiteren Welt zurechtzukommen. Nachrichten lassen uns oftmals mit einer frustrierenden Datenmasse allein, und viele wirklich wichtigen Informationen verlieren wir aus den Augen, weil sie gar nicht in den Nachrichten vorkommen.
Wer sich selbst und die Fernbedienung im Griff hat, für den gilt, was Paulus sagte: "Alles ist (mir) erlaubt, aber es soll mich nichts gefangen nehmen." Alle anderen sollten es wenigstens auf einen Versuch ankommen lassen: Es ist erstaunlich, was man alles schafft, wo es plötzlich möglich ist zu helfen, wie lange man telefonieren, essen, lesen, Briefe schreiben, Bibellesen und beten kann.