Einer von uns beiden
verlässt zuerst das Haus,
einen von uns beiden
trägt man zuerst hinaus.
Einer weint im Jammer
grenzenlos und tief,
weil die dunkle Stimme
nach dem andern rief.
Einer löst sich schmerzlich
aus des andern Blick,
einer lässt den andern
in der Not zurück.
Einer geht die Stufen
in die Ewigkeit,
wo die ew'gen Hände
wartend sind bereit.
Einer geht durch Räume
schweigend und voll Schmerz,
lauscht auf fernen Atem,
sucht das ferne Herz.
Keiner weiß es diesseits,
wer der erste ist,
auch du kannst nicht ahnen,
ob wohl du es bist.
Jeder möchte freilich
gern der erste sein,
denn wer wäre glücklich -
in der Welt allein -?
Einer geht als erster
in das Jenseitsland,
selig, wenn er gnädig
Gottes Hände fand.
Jener, der noch warten,
der noch bleiben muss,
wird von Trost umfangen,
findet stillen Gruß.
Einst geh'n seine Schritte
auch zur Welt hinaus.
Mög' der Weg ihn führen
heim ins Vaterhaus!
- Käthe Lein-Reitz -