Der Einsame

Einsam, still und unverstanden
gingst Du, Heiland, Deinen Pfad.
Ach, nur wenige sich fanden,
die Du zogst in Deinen Rat.
Fremdling, unter geistlich Blinden,
von der Führerschaft geschmäht -
Herr, was mochtest Du empfinden,
der Du Liebe stets gesät!

Unverstanden von den Deinen,
trugst Du um Verlorne Leid,
ach, Dein Auge musste weinen
über Herzenshärtigkeit.
Einsam, weilend im Gebete,
hast Du alles Gott gebracht,
früh am Morgen in der Öde,
auf dem Berg in später Nacht.

Einsam standst Du, trotz Gedränge,
in dem Volk, das Du gelehrt;
und am Ende hat die Menge
ganz von Dir sich abgekehrt.
Einsam wurdest Du gefunden,
ringend in Gethsemane,
einsam hingst Du in den Stunden
an dem Kreuz in tiefstem Weh!

Herr, die Liebe ließ Dich gehen
voll Entsagung diesen Pfad;
dankend wir nun stille stehen
und bewundern solche Gnad!
Doch nun bald wird Dich umgeben
jene unzählbare Schar,
der zu schenken Heil und Leben
Deine Seele einsam war!

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