Dreimal hat der Herr gerufen
Samuel um Mitternacht,
der zu Siloh an den Stufen
vor der Bundeslade wacht;
dreimal eilt das Kind geschwinde:
"Eli sprich, was riefest du?"
Eli murrt: "Was träumt dem Kinde?
Geh und lege dich zur Ruh."
Aber als zum drittenmale
Samuel den Alten weckt.
Plötzlich wie vom Blitzesstrahle
wird des Priesters Geist erschreckt:
"Knabe geh und leg dich nieder,
Gott der Herr verlangt nach dir,
horche still und ruft es wieder,
sprich: O Herr, dein Knecht ist hier."
Und er geht sich Gott zu stellen,
und ihn lehrt Jehovas Mund
Dinge das die Ohren gellen
wems in Israel wird kund;
und die ersten Himmelslichter
dämmern in des Knaben Geist,
dass er als Prophet und Richter
bald sein Volk zur Buße weist.
Freunde, mir ist's auch gegangen
wie dem Knaben Samuel,
als vom Seelenschlaf umfangen,
ich vernahm des Herrn Befehl:
Unversehns am stillen Orte
klangen mir im Herzen tief
fremde, unerhörte Worte,
doch ich wusste nicht, wer rief.
Ging zu Menschen in die Schule,
denn ich war ein töricht Kind,
lief zu ird'scher Weisheit Stuhle,
doch die war wie Eli blind,
lag wie Eli halb im Schlummer,
hörte meine Frage kaum,
sprach: Du machst dir eitlen Kummer,
schlafe nur, es war ein Traum.
Und ich ging und warf mich nieder,
träumte fort mit Geist und Seel',
aber immer klang es wieder
durch das Dunkel: "Samuel".
Da, zu mitternächt'ger Stunde
ward mir's wie vom Blitze klar:
Mensch, das kam aus Gottes Munde,
geh' stell ihm dich selber dar.
Und nicht Menschen ging ich fragen,
nein, vor Gottes Angesicht
nieder warf ich mich mit Zagen,
und ich träumte länger nicht,
und in nächtlich stillen Stunden
sprach der Herr zu seinem Kind
Geistertöne, Himmelskunden,
welche unaussprechlich sind.
Donnerworte heil'ger Mahnung.
Die kein ird'scher Richter spricht;
Wonnelaute sel'ger Ahnung,
die durch Erdenmächte bricht;
was kein Menschenmund gelehret,
was kein Menschengeist erdacht,
hat mein Herz vom Herrn gehöret
in der stillen Mitternacht.